In der politischen Debatte ist immer wieder zu hören, wir könnten uns die „Subventionen“ für Elektroautos, Wärmepumpen oder Solaranlagen nicht mehr leisten. Gleichzeitig heißt es: Der Markt soll entscheiden. Technologieoffenheit sei wichtig, Subventionen unfair.
Doch beides beruht auf einem grundlegenden Missverständnis. Denn der Markt entscheidet nicht neutral, solange Kosten nur selektiv sichtbar sind. Und das, was wir als „Subvention“ bezeichnen, ist in Wahrheit vermeidete Verschuldung – ökonomisch, ökologisch und gesundheitlich.
Der Denkfehler: Wir subventionieren längst – nur das Falsche
Fossile Energien – also Öl, Gas, Kohle, Heizungen und Verbrenner – werden seit Jahrzehnten indirekt subventioniert, selbst wenn sie keine direkte Förderung erhalten.
Warum? Weil ihre Folgekosten systematisch ausgeblendet werden. Klimaschäden, Ernteausfälle, Extremwetter, Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Leiden – sie erscheinen nicht in der Bilanz, sondern werden versteckt sozialisiert: über Steuern, Krankenkassenbeiträge und künftige Schulden.
Selbst mit CO₂-Preis und Emissionshandel sind diese externen Kosten nur minimal erfasst. Laut Umweltbundesamt verursacht eine einzige Tonne CO₂ rund 300 Euro Schaden. Deutschland emittiert jährlich über 700 Millionen Tonnen CO₂ – das entspricht über 200 Milliarden Euro an versteckten Folgekosten pro Jahr.
Diese Zahlen zeigen: Wir leben nicht in einem freien Markt. Wir leben in einem subventionierten Fossilismus.
Der Mythos der Technologieoffenheit
„Der Markt soll entscheiden“, heißt es immer wieder. Aber wie soll er das, wenn der Preis nicht die Wahrheit sagt?
Wenn die Kosten für CO₂, Feinstaub, Lärm, Importabhängigkeit oder künftige Flutschäden nicht im Preis enthalten sind, dann ist „Technologieoffenheit“ nichts anderes als ein Deckmantel für fossile Bevorzugung.
Erst wenn alle Technologien ihre wahren Kosten tragen, würde der Markt wirklich entscheiden – und zwar für das Nachhaltige, nicht dagegen.
Denn das bedeutet nicht nur, dass das Schädliche teurer wird, sondern auch, dass das Nachhaltige billiger wird, weil seine vermeideten Schäden und Folgekosten endlich als Wert berücksichtigt werden.
Dann zeigt sich: Was heute scheinbar gefördert wird, ist in Wahrheit längst volkswirtschaftlich günstiger – wir haben es nur falsch verbucht.
Was „Subvention“ bei Erneuerbaren wirklich bedeutet
Ein Haushalt mit Gasheizung verursacht im Schnitt 4 Tonnen CO₂ pro Jahr. Wer auf Wärmepumpe, Photovoltaik und Speicher umsteigt, spart etwa 3 Tonnen – also 60 Tonnen in 20 Jahren.
Das entspricht laut Umweltbundesamt 18.000 Euro an vermiedenen Klimaschäden, plus weiteren 2.000–6.000 Euro durch weniger Feinstaub, NO₂, Lärm und Gesundheitsfolgen.
Dazu kommen private Energieeinsparungen: Eigenstrom + Wärmepumpe sparen rund 1.200–1.500 Euro im Jahr – also 30.000 Euro in 20 Jahren.
👉 Gesamtnutzen: rund 50.000 Euro 👉 Systemkosten (PV + Speicher + Wärmepumpe): ca. 30.000 Euro
Selbst wenn der Staat alles finanzierte, wäre das volkswirtschaftlich ein Gewinn. Solar verschenken wäre billiger, als fossile Heizungen weiter zuzulassen.
Die aktuelle Politik – zurück in die Vergangenheit
Trotzdem werden wieder Gaskraftwerke gefördert. Man spricht von Technologieoffenheit, meint aber Rückschritt. Denn Gas ist kein Übergang – es ist eine Verlängerung des Problems auf Kosten der Zukunft.
Die Folge: Das Schlechte bleibt scheinbar billig, weil wir seine Folgekosten verschleiern. Und das Gute wird als teuer empfunden, obwohl es Schulden vermeidet.
So verschieben wir die Rechnung – auf kommende Generationen, auf Gesundheit, auf Demokratie.
Die Lösung: Wirkung statt Kapital
Die Wirkungsökonomie dreht diesen Mechanismus um: Nicht Kapital, sondern Wirkung auf Mensch, Planet und Demokratie wird Maßstab.
Das heißt konkret:
Wer positive Wirkung erzielt, wird entlastet.
Wer negative Wirkung verursacht, zahlt die echten Kosten.
Oder einfacher: Gutes wird günstiger. Schlechtes wird teurer.
Dann braucht es keine Verbote und keine Subventionen. Nur ehrliche Preise – und ein System, das Wirkung misst statt Kapital hortet.
Wie das heute schon geht
Wir müssen dafür kein neues System erfinden – nur die bestehenden Daten konsequent zusammenführen.
Die EU-Taxonomie und die CSRD-Berichtspflichten liefern bereits messbare Indikatoren für Umwelt-, Sozial- und Governance-Wirkung (ESG).
Das Umweltbundesamt beziffert den monetären Schaden pro Tonne CO₂, NOₓ und Feinstaub.
Die GRI-Standards ordnen diese Daten konkreten Unternehmensaktivitäten zu.
Und der T-SROI-Ansatz (Transformational Social Return on Investment) übersetzt Wirkung direkt in finanzielle Größen.
Damit lässt sich jede Investition – ob Solardach, Wärmepumpe oder Industrieprojekt – in Euro bewerten nach ihrer realen Wirkung.
So kann die öffentliche Hand, jedes Unternehmen und jede Kommune Subventionen, Förderungen und Steuern wirkungsgerecht steuern.
Kurz gesagt: Die Daten sind da. Wir müssen sie nur nach Wirkung statt Kapital sortieren.
Solange fossile Energie nicht ehrlich bepreist wird, ist jede Berufung auf den „freien Markt“ eine Illusion.
Subventionen für Erneuerbare sind keine Geschenke – sie sind Investitionen in vermiedene Schulden. Sie sichern Stabilität, Gesundheit und Wettbewerbsfähigkeit.
Wenn wir endlich ehrlich rechnen, erkennen wir: Der teuerste Weg ist der, nichts zu verändern.